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27/06/2020

Einbettung der SDGs mithilfe von Nudging im Airport Management

Christophe Funk

Einbettung der SDGs mithilfe von Nudging im Airport Management

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Steigerung der Nachhaltigkeit am Flughafen. In diesem Zusammenhang wird der luftseitige Passagierbereich des Flughafens untersucht. Diese Steigerung soll mithilfe der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen sowie der nach Thaler und Sunstein entwickelten Nudging-Theorie herbeigeführt werden. Ausgewählte Studien sowie Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Regierung wurden genutzt, um die Anwendungsbereiche sowie die passenden SDGs zu identifizieren und daraus resultierend passende Nudges abzuleiten. Bei Interesse an diesem Maßnahmenkatalog und den genauen Daten melden Sie sich gerne bei uns! 

Um diese Nudges zu entwickeln mussten zunächst Annahmen getroffen, Problematiken der SDGs der Hauptgruppe in Bezug auf den Anwendungsbereich des luftseitigen Bereichs des Flughafens weiter definiert und wenn möglich mithilfe von Aussagen aus den Interviews gestützt werden. Auf diese Weise werden alle Perspektiven, Sichtweisen und Erfahrungen der interviewten Personen berücksichtigt. Mithilfe dieser Art der Interpretation werden die Ergebnisse der Interviews direkt in die praktische Anwendung eingebunden und genutzt. Des Weiteren muss in diesem Zusammenhang erwähnt werden, dass diese Ansätze durch ausgewählte Studien ergänzt werden.

Dadurch sollen die getroffenen Annahmen zu den einzelnen SDGs und deren Ziele für den Leser transparent und nachvollziehbar werden. Darüber hinaus werden die zu lösenden Probleme in Bezug auf die SDGs offengelegt und es wird dargelegt, wo die Nudges genutzt werden können. Aus diesem Grund sind die folgenden Unterkapitel gemäß den SDGs gegliedert, sodass die Ergebnisse direkt in die praktische Auswertung und Anwendung einfließen können.

SDG 2 – Kein Hunger

Der erste genauer zu betrachtende SDG lautet „Kein Hunger“ (SDG 2 – Zero Hunger). Ausgehend von diesem Ziel und seinen Unterzielen gibt es drei Ansätze, um diese Problematik anzugehen. Der erste Ansatz besteht darin, mehr Essen zu produzieren, um den Hunger weltweit zu reduzieren. Dies wird jedoch als falscher Ansatz angesehen, da es wiederum zu einer größeren Ressourcennutzung kommen würde, was nicht mit der Nachhaltigkeitsdefinition im Einklang steht. Aus diesem Grunde gibt es zwei weitere Grundannahmen, die durch die Studie zur Nutzung natürlicher Ressourcen des Umweltbundesamtes bestätigt werden, um die bereits erläuterten Ziele dieses SDGs zu erfüllen. Der zweite Ansatz wäre die geringere Produktion mit Hinsicht auf den überhöhten Ressourcenverbrauch. So könnten Produktionsflächen eingespart werden und an anderer Stelle besser genutzt werden (SDG 2–2.4). Der dritte Ansatz wäre die effizientere und effektivere Nutzung der vorhandenen Lebensmittel zur Erreichung der SDG Ziele (Lutter et al., 2018, S. 10–11).

Um dieses Unterziel (SDG 2–2.4) zu erreichen, werden in dieser Arbeit der zweite und der dritte Ansatz zugrunde gelegt. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass der zweite Ansatz nicht im Einklang mit CSR beziehungsweise Nudging steht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass eine geringere Produktion betriebswirtschaftlich und rechtlich aufgrund der bestehenden Arbeitsplätze und Verträge nicht funktionieren würde und darüber hinaus auf diese Weise paternalistisch die vorherige Auswahl reduziert werden würde, was nicht zum Gedanken des Nudgings passt. Dennoch muss bei einer effizienteren und effektiveren Nutzung der Nahrungsmittel im Laufe der Zeit weniger produziert werden, um die Bedürfnisse der Passagiere zu befriedigen. Somit stehen Ansatz 2 und Ansatz 3 in einer Beziehung zueinander.

Um den dritten Ansatz der effizienteren und effektiveren Nutzung von Lebensmitteln, weiterzuentwickeln und auch Spielraum für die entwickelten Nudges zu schaffen, gibt es wiederum zwei Möglichkeiten. Bei der ersten Strategie steht eine bessere Verteilung der Ressourcen im Vordergrund. So können beispielsweise Überschüsse gespendet werden. Auch wenn hier kein direkter Zusammenhang mit CSR bzw. nachhaltigem Management gegeben ist, kann dieser philanthropische Ansatz dennoch im Übergang und in Ausnahmefällen zu einer nachhaltigeren Lösung führen. Darüber hinaus stärkt er die regionale Verbundenheit zu den dortigen Stakeholdern, da diese Überschüsse in die regionalen Gemeinschaften gespendet werden können. Des Weiteren können Überschüsse jedoch auch mithilfe von Kooperationen (SDG17) dazu genutzt werden, die Zero-Hunger-Maßnahmen in anderen Ländern zu unterstützen. So können, wie es am Flughafen München bereits der Fall ist, Kunden in Form von Airlines dazu genutzt werden diese Überschüsse zu anderen Flughäfen zu transportieren. Diese Strategie kann im gleichen Zuge auch dazu genutzt werden, Produkte aus der Region des in anderen Destinationen zu verkaufen und zu nutzen.

Eine weitere Strategie beschäftigt sich mit dem optimierten Verkauf und Einkauf der Lebensmittel. Zwar steht der Einkauf der Lebensmittel nicht in direkter Verbindung mit den Passagieren, doch können hierdurch auch andere SDGs mit in die Problemlösung eingebunden werden, da von indirekten Auswirkungen auf die Passagiere ausgegangen werden kann. Bezüglich des Einkaufs sollte der Flughafen, also das Unternehmen, Richtlinien entwickeln, sodass im ganzen Unternehmen beim Einkauf auf bestimmte Kriterien geachtet werden muss. Einen entsprechenden Leitfaden für nachhaltiges Einkaufen hat beispielsweise der NABU in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt entwickelt (NABU, 2020 So können bei diesem Ansatz sowohl der SDG 14 – Life below Water als auch der SDG 15 – Life on Land – mit eingebunden werden, ebenso wie das Ziel 2.5 des SDGs 2. Dieses Ziel wird mit dem Einkauf bei regionalen und nachhaltigen Produzenten unterstützt. Bei der Ausarbeitung von Nudges in Bezug auf den Verkauf an die Passagiere kann ein Fokus auf diese besonders ausgewählten Produkte gelegt werden. Darüber hinaus können auf diese Weise weitere Projekte beispielsweise aus Entwicklungsländern, die von Airlines des Flughafens angeflogen werden, unterstützt werden (SDG 1 – No poverty). Dies könnte durch den Einkauf von Produkten von ausgewählten Unternehmen vor Ort geschehen, um dadurch lokale Mikrounternehmen zu unterstützen. Genauso stehen ebenfalls die Produktion und dadurch der spätere Konsum von gesünderen Lebensmitteln im Vordergrund. Somit ist es auch die Ernährung, die im Fokus steht (SDG 2–2.2). So führt der Konsum von gesunden Produkten aus biologischem und regionalem Anbau zur Steigerung der Gesundheit und der Steigerung der Nachhaltigkeit im ökologischen sowie im ethischen Sinne (Smith-Spangler, 2012, S. 366).

In Bezug auf den Verkauf der Ware können auch wiederum drei unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt werden. Die ersten beiden Möglichkeiten sind jedoch nicht mit den Grundsätzen dieser Arbeit in Einklang zu bringen, da diese sowohl ein Mehrangebot als auch ein geringeres Angebot beinhalten. Dies ist daher nicht in Einklang mit dieser Arbeit zu bringen, da einerseits eine geringere Auswahl nicht mit Nudging korrespondiert, da es die Auswahl verringern würde und andererseits wird durch ein kleineres Angebot weniger verkauft werden können, was nicht mit dem CSR-Ansatz vereinbar ist. Die letzte Form behält das momentane Angebot bei, sodass der Verkauf mit den Grundannahmen des Nudging und des CSR-Management-Konzepts korrespondiert.

All diese Maßnahmen können auf Basis der SDGs 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur und SDG 12 – Nachhaltige/r Konsum und Produktion bewältigt werden. Produktion und Konsum sollen langfristig und tiefgreifend nachhaltig verändert werden. Daher müssen Innovationen genutzt und Infrastrukturen angepasst werden.

SDG 3 - Gesundheit und Wohlergehen

Der zweite SDG, der in dieser Arbeit betrachtet wird, ist der SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ (SDG 3 – Good Health and Well-Being). Dieser Ansatz basiert sich auf fünf Aspekten in Bezug auf Ausgangspunkte oder Lösungen der Problematik. Krankheiten und Drogen werden als Ursprung der Probleme benannt, während Ernährung, Bewegung und Natur die Hebel sind, die zur Problemlösung genutzt werden können. In Bezug auf die folgende Erörterung muss jedoch der Ansatz der Ernährung gestrichen werden, da dieser Zweig bereits in Kapitel 7.1.1 behandelt wurde.

Um Krankheiten zu bekämpfen, gibt es drei Optionen : eindämmen, verhindern und behandeln. Maßnahmen zur Eindämmung und zur Verhinderung sind in den gleichen Handlungsräumen angesiedelt (Kickbusch & Franz, 2017, S. 13.). In diesem Zusammenhang sollen vor allem die Aufenthaltsräume, der Essbereich sowie die sanitären Anlagen Ziel der Nudges sein, um Krankheiten an diesen Orten sowohl zu verhindern als auch einzudämmen. An diesen Orten geht es vor allem um die herrschende Hygiene. So sollen die in Bezug auf Krankheiten entwickelten Nudges dazu genutzt werden, die Hygiene zu steigern und damit die Verbreitung von Krankheitserregern zu minimieren (SDG 3–3.3).

Die zweite zu betrachtende Säule betrifft den Drogenkonsum. Diesbezüglich ist zwischen legalen und illegalen Drogen zu unterscheiden. In dieser Arbeit werden nur die legalen Drogen thematisiert werden, da hier keine kriminalwissenschaftliche Untersuchung durchgeführt wurde. Im Fokus stehen daher Medikamente mit und ohne Attest sowie Alkohol und Tabak (SDG 3–3.5). Der Konsum dieser Substanzen kann laut der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) drei Motive zurückgeführt werden. So konzentriert sich dieser Ansatz auf das Problem der Entspannung und der Bekämpfung von Angst und Langweile mithilfe von legalen Drogen (DHS, 2020, S. 5.). Die Problematik von Suchterkrankungen wird bewusst ausgelassen, da die Strukturen am Flughafen nicht für die Pflege von suchtkranken Personen ausgelegt sind und diese Pflege beziehungsweise Heilung auch nicht Teil der Lösungsfindung dieser Arbeit ist. Die erstellten Nudges fokussieren sich daher auf die Aspekte Entspannung, Angst und Langweile.

Der nächste Aspekt ist der der Bewegung. Dies wird in einer Langzeitstudie der Universität Karlsruhe thematisiert. Die Studie belegt, dass Sport dazu beiträgt, ein gesünderes Leben zu führen. Dieser Ansatz kann ebenfalls mithilfe eines Nudges am Flughafen integriert werden (Sportinstitut KIT, 2017). Es wird angenommen, dass Touristen nicht verschwitzt weiterreisen möchten und dies vor allem im Flugzeug selbst aufgrund der Geruchsentwicklung nicht angenehm für andere Mitreisende ist. Dies zeigt sich auch in der statistischen Auswertung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), nach der im Jahr 2018 175 Vorfälle (2016 noch 228 Vorfälle) von störendem Gestank an Bord gemeldet wurden (2018, S. 9). Daher wird zwischen Sportmöglichkeiten mit geringer Anstrengung und Sportmöglichkeiten mit großer Anstrengung unterschieden. Schweißtreibende Tätigkeiten entfallen aufgrund des bereits erläuterten Problems. So sollen Nudges genutzt werden, um Sportmöglichkeiten mit geringer Anstrengung sowohl unbewusst als auch bewusst für die Reisenden nutzbar zu machen.

Die fünfte und letzte Säule ist die Natur. Laut der University of East Anglia soll diese dabei helfen, sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden zu steigern. In diesem Fall sind mit Natur der Mix von Pflanzen und frischer Luft gemeint (2018). Der Aspekt der frischen Luft kann in einem geschlossenen Sicherheitsbereich jedoch nicht mithilfe von Nudges behandelt werden. Die Säule der Natur, in diesem Sinne der Pflanzen, soll in den Warte- und Aufenthaltsräumen mit Nudges nutzbar gemacht werden. So sollen etwaige Probleme beispielsweise durch „Drogen“ mithilfe der Natur gelöst werden.

Die geschilderten Ansätze werden durch den SDG 9 und den SDG 12 dergestalt unterstützt, dass der Konsum und die Produktion, aber auch die Infrastruktur so gestaltet werden, dass die Nachhaltigkeit im Vordergrund steht.

SDG 6 – Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen

Der dritte zu betrachtende SDG ist der SDG 6 – „Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen“ (SDG 6 – Clean Water and Sanitation). Die Maßnahmen konzentrieren sich auf die Themen Wasser- und Papierverbrauch, Hygiene, Trinkwasser und damit einhergehend Recycling. Der größte Wasserverbrauch findet sich laut dem Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft bei den Toiletten. Pro Kopf werden hier in Deutschland im Durchschnitt 34,29 Liter am Tag verbraucht, während nur 5,04 Liter der Trinkwassernutzung für Trinken und Essen zugerechnet werden. Aus diesem Grund gilt es den Wasserverbrauch der Toilette zu reduzieren. Darüber hinaus werden in Deutschland pro Person täglich 15,24 Liter Wasser zum Händewaschen genutzt (BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V., (a,b) 2019). An dieser Stelle kann der SDG 3 einbezogen werden, da mit dem Händewaschen auch Krankheitserreger minimiert werden. Nach dem Toilettengang und dem Händewaschen werden die Hände getrocknet. Auch hier zeigen die Statistiken hohe Werte mit steigenden Tendenzen. Laut einer Studie des WWF wurden 2019 in Deutschland pro Kopf 15kg Hygienepapier genutzt. Zu diesem Hygienepapier zählen neben den Papier Handtüchern auch Toilettenpapier. Der europäische Durchschnitt liegt dabei bei 13kg pro Jahr, dieser Verbrauch liegt viermal höher als der weltweite Durchschnitt. Insgesamt wurden so 2019 in Europa 22 Milliarden Rollen Hygienepapier verbraucht (gerechnet in herkömmlichen Toilettenpapierrollen) (WWF, 2020). Dennoch wird in dieser Arbeit bewusst auf die Anwendung von Handlufttrocknern verzichtet, da unter anderem einer Studie der University of Leeds zeigte, dass in diesen Geräten eine große Anzahl von Bakterien und Viren übertragen werden können (Best, Parnell & Wilcox, 2014, S. 204–205).

Sobald die Tücher benutzt wurden, müssen sie recycelt werden. Hierbei besteht jedoch das Problem der Infrastruktur. Ein Hauptproblem des Hygienepapiers, das im vorderen Bereich der sanitären Anlagen bei den Wasserhähnen zu finden ist, ist, dass dieses Hygienepapier nicht im herkömmlichen Papiermüll recycelt werden kann. Diesbezüglich gilt es also, das Hygienepapier aus Quellen zu beziehen, die Sekundärmaterialien nutzen, also das Produkt aus bereits recyceltem Material herstellen. So wird ebenfalls das Thema des Recyclings in diesem Bereich aufgegriffen, um den recycelbaren Anteil an Hygienepapier zu erhöhen (Umwelt Bundesamt, 2020).

Weitergehend steht der Trinkwasser-Verkauf im Vordergrund. Dieser muss zu jeder Zeit gewährleistet werden. Zurzeit werden Getränkeflaschen aus Plastik an Flughäfen mehr und mehr verboten und durch Behälter aus Tetra Pak und Glasflaschen ersetzt, wie beispielsweise am Flughafen in San Francisco (San Francisco Airport, 2020). Auch hier steht das Problem des Recyclings im Vordergrund, um den entstehenden Müll optimaler zu nutzen und weiterzuverwenden.

Ein weiteres Problem beim Trinkwasserverkauf stellt importiertes Wasser dar. Kontinentübergreifender Wasserimport und -export führte unter anderem dazu, dass weltweit 50% der Flusssysteme, Moore und Seen verloren gingen. Somit sollte der Verkauf von regionalem oder auch Leitungswasser in die Arbeit eingebunden werden (WWF, 2016). Mehrweg-Pfandsysteme können in Verbindung mit regionalem sowie Leitungswasser dazu führen, die Nachhaltigkeit am Flughafen zu steigern und gleichzeitig eine ausreichende Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. So zeigte eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PVC) im Auftrag der deutschen Umwelthilfe e.V und der Deutsche Umwelthilfe (DUH) Umweltschutz Service GmbH, dass durch ein PET-Mehrwegflaschen- oder Becher-System bei 1.000 Litern Füllgut 40 % weniger Rohstoffe und 50 % weniger klimaschädliche Treibhausgase entstehen im Vergleich zu herkömmlichen Plastikflaschen, wenn für die Nutzung und die Säuberung der Behälter Transportwege von unter 100 km genutzt werden (PricewaterhouseCoopers AG WPG, 2011, S. 32).

Auch dieser SDG wird mit dem SDG 9 und dem SDG 12 verbunden. So tragen der Konsum und die Produktion mithilfe der nötigen Infrastruktur dazu bei, die Nachhaltigkeit mit den dargelegten Ansätzen zu steigern.

SDG 7 – Bezahlbare und saubere Energie

Der letzte zu betrachtende SDG ist der SDG 7 „bezahlbaren und saubere Energie“ (SDG 7 – Affordable and clean Energy). Auch wenn der Großteil des Energieverbrauchs beim Flughafenbetrieb durch Nudging nicht verändert werden kann, ist es dennoch möglich hier einen Ansatz zu finden den SDG ohne infrastrukturelle Veränderungen zu nutzen. So soll der Stromverbrauch der Passagiere reduziert werden. Dieser ist sowohl bei den privaten Haushalten als auch in der Industrie (in Deutschland) laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft von 1990 bis 2018 kontinuierlich angestiegen. Dies wird vor allem durch die vermehrte Nutzung von mobilen Endgeräten wie Handys, Laptop etc. erklärt (2019 b). So sollen vor allem die Nutzung und das Aufladen dieser Geräte in die Nudges eingebunden werden. Darüber hinaus sollen grundsätzlich alle Lichtquellen in den für Passagiere zugänglichen Räumen in Betracht gezogen werden.

 

Um den Maßnahmenkatalog mithilfe der Datenerhebung zu vervollständigen, bedarf es eines Exkurses. Basierend auf den Daten kann somit ein Gesamtkonzept erstellt werden, in das die Nudges einfließen.

So ist es beispielsweise für die Unternehmen von großer Bedeutung, nicht nur auf die Passagiere einzugehen, sondern ebenso auf die Mitarbeiter. Auf diese Weise kann nachhaltiges Verhalten ebenfalls tiefer verankert werden. Ebenso ist es auf diese Weise möglich, die Mitarbeiter vermehrt in die Entwicklung neuer CSR-Maßnahmen einzubinden, da sie die ablaufenden Prozesse am Flughafen noch besser kennen, als Mitarbeiter, die nicht an diesen beteiligt sind, auch wenn diese Erfahrungswerte nicht ausreichen. „Erfahrungswerte werden auch mit eingebracht, es werden jedoch keine Maßnahmen rein auf Erfahrungen aufgebaut und umgesetzt“. Um diese Erfahrungen der Mitarbeiter zu nutzen, sollten sie in Besprechungen eingebunden werden, um ein siloartiges Denken zu verhindern. „Besprechung der gesammelten Ideen mit allen Führungskräften des Unternehmens um einen Zielprozess zu generieren“.

Darüber hinaus sollte auch insgesamt ständig mit den Stakeholdern von Flughäfen zusammengearbeitet werden. „Es braucht mehr Verflechtungen zwischen den verschiedenen Akteuren, um gemeinsames Ziel zu finden“. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf dem SDG 17. Dieser sollte genutzt werden, um Kooperationen mit Kunden, in diesem Falle Airlines, am Flughafen nachhaltiger zu gestalten. „Wir machen viele Kooperationsprojekte und versuchen immer, die Airlines mit reinzunehmen“. Auf diese Weise könnten ebenfalls die Zugriffsrechte an den Flughäfen aufgeweicht werden. So können zwischen den an den Flughäfen angesiedelten Geschäften und dem Flughafen selbst neue nachhaltige Agreements getroffen werden, wovon beide Parteien profitieren. „Wenn man schon nur bedenkt, dass der Flughafen nicht immer direkte Zugriffsrechte hat, der macht vieles ja auch nicht selber“. So können die Stakeholder der näheren Umgebung ebenfalls eingebunden werden, um Produkte über den Flughafen zu verkaufen, seien dies Lebensmittel oder Dienstleistungen.

Eine Möglichkeit dieser Kooperationen wurde von den Befragten besonders hervorgehoben, nämlich das Thema der Circular Economy (zu deutsch: Kreislaufwirtschaft). Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der früheren Linear Economy (Lineare Wirtschaft). Da die Ressourcen dieser Welt endlich sind, wird der gesamte Abfall in ein neues System gebracht, um auf diese Weise die darin enthaltenen Ressourcen wiederzuverwenden. Durch dieses Modell soll natürliches, soziales und wirtschaftliches Kapital aufgebaut werden (Ellen MacArthur Foundation, 2020). Dabei kann das gesamte Abfallmanagement am Flughafen weiter genutzt werden. Dies kann beispielsweise für die Generierung von Strom und Hitze Anwendung finden, aber genauso für die sogenannten Bio Fuels: „Bio-Fuels aus Abfallprodukten herstellen und diese in einen neuen Zyklus einbauen“.

Ein weiteres relevantes Thema, das nicht mithilfe der Nudges bearbeitet werden kann, betrifft die gesetzlichen Regulierungen. Diese können nicht direkt durch Flughäfen verändert werden, spielen aber in der nachhaltigen Entwicklung dennoch eine große Rolle „Rechtliche Verankerungen der Bundesregierung und EU immer wichtig zu beachten“. Aus diesem Grund stoßen Unternehmen immer wieder an Grenzen. Umwelt- und Sozialstandards kosten Geld, was den Preis gegenüber nicht nachhaltigen Konkurrenzprodukten in die Höhe treibt. „Wenn die EU die Nachhaltigkeit nicht mehr einbaut stoßen wir daher immer wieder an gewisse Grenzen“. Auch in diesem Zusammenhang ist laut dem deutschen Institut für Wirtschaftsordnung (DIW) eine Veränderung nötig. Teilweise ist diese schon sichtbar, was auf die Corona-Krise 2020 zurückzuführen ist. Die Auswirkungen dieser Pandemie können in dieser Arbeit nicht komplett erläutert werden, da diese Arbeit, wie bereits erwähnt, während dieser Zeit verfasst wurde. Dennoch sollte diese Krise in die Arbeit einfließen, da sie die Wirtschaft verändern und vor allem beeinflussen wird. So wurde laut dem DIW bereits während der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 deutlich, dass eine klimaorientierte Konjunkturpolitik nicht nur kurzfristig eine positive Veränderung bringt, sondern auch langfristig zu Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätzen und einer klimafreundlichen Entwicklung führt (Kröger et al., 2020, S. 1). Darüber hinaus wurde in der Datenerhebung herausgearbeitet, dass Unternehmen umweltbewusst umorientieren sollten, um langfristig Marktanteile zu gewinnen oder zu behalten. „Privatfirmen sollten jetzt schon mit Kostenänderungen rechnen“ „Sie sollten daher schon jetzt die Produktion anfangen umzustellen“.

Alle diese Punkte sprechen dafür, die Nudging-Maßnahmen zu unterstützt und ein verbessertes Nachhaltigkeitskonzept am Flughafen einzuführen.

 

Aufgrund der aktuellen Lage im ersten Quartal 2020 zeigt sich verstärkt eine immer stärkere politische Neigung hin zur Nachhaltigkeit. Wie die Studie des DIW voraussagte, können dadurch langfristig das Wirtschaftswachstum, Innovationen und die Umwelt gefördert und verbessert werden. Weiterführend zeigen das sinkende Vertrauen in die wirtschaftlichen Akteure, die Angst vor der Zukunft und das Misstrauen in Bezug auf umweltbewusstes Handeln in der Wirtschaft, dass das Thema hochaktuell und nicht mehr aus wirtschaftlichen Diskussionen wegzudenken ist. Darüber hinaus verweist die Tourismusbranche in Form der WTTC selbst auf die Problematik der Nachhaltigkeit und versucht bereits jetzt, Maßnahmen zu entwickeln, damit die voraussichtlich 1,8 Milliarden Touristen im Jahr 2030 nachhaltiger Urlaub machen können.

Dies zeigt, dass es unerlässlich ist, sich mit dem Thema der Nachhaltigkeit in der Tourismusbranche auseinanderzusetzen. In dieser Arbeit wurde versucht, ein Konzept zu erarbeiten, um die Nachhaltigkeit am Flughafen zu steigern. Aufgrund der Rahmenbedingungen an Flughäfen, der gesetzlichen Vorschriften und der besseren Messbarkeit in einer weiterführenden Arbeit wurde hierzu der kundenseitige Luftbereich des Flughafens untersucht. Dabei sollte mithilfe ausgewählter Studien sowie verschiedener Interviews mit Experten aus dem wissenschaftlichen, staatlichen und wirtschaftlichen Bereich eine möglichst umfassende Sicht auf das Thema erarbeitet werden. Bereits bekannte Problematiken der Studien wurden mit den Erfahrungen der Experten abgeglichen, um ein gesamtheitliches Konzept zu entwickeln, das auf Nudging und den Sustainable Development Goals basiert. Aufgrund der Covid-19-Pandemie war es jedoch schwierig, genügend Interviewpartner für aussagekräftige Daten zu bekommen. Diese Daten sollten daher kritisch beobachtet werden. Nichtsdestotrotz zeigten diese Interviews auch etwaige Schwachstellen und Probleme des Nudging-Ansatzes in Verbindung mit den SDGs. In einem Exkurs wurden entsprechende Probleme erörtert.

Zusammenfassend können daher nach gründlicher Analyse der Ergebnisse sowie der Ausarbeitung des Maßnahmenkatalogs und einer kritischen Würdigung der Arbeit die drei Forschungsfragen beantwortet werden.

In Bezug auf die erste Forschungsfrage kann festgehalten werden, dass die Nachhaltigkeit mithilfe der Sustainable Development Goals unter Einbindung von Nudges im luftseitigen Bereich des Flughafens grundsätzlich gesteigert werden kann. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die SDGs viele Problematiken betreffen, die an den Flughäfen anfallen. Dies zeigen die Kombination der Interpretation der Ergebnisse in Kapitel 6.2. sowie die Vorbereitungen der Nudges in Kapitel 7.1. In diesen beiden Kapiteln wurden Probleme der Nachhaltigkeit am Flughafen aufgezeigt, die mithilfe der entwickelten Nudges aufgearbeitet wurden. Darüber hinaus wurden diese Nudges nochmals mit individuellen Unterzielen hinterlegt, sodass eine klarere Zieldefinition der Nachhaltigkeitsmaßnahmen aufgezeigt werden kann. Diese Maßnahmen führen jedoch bislang nur in der Theorie zu einer gesteigerten Nachhaltigkeit und müssen in weiterführenden Arbeiten in der Praxis in Form von Experimenten überprüft werden. Darüber hinaus kann die Dringlichkeit dieser Nachhaltigkeitssteuerung durch die Covid-19-Pandemie nochmals gesteigert werden, da diese eine neue klimaorientierte Politik nicht ausschließt.

Ergänzend ergab die Datenerhebung in Bezug auf die zweite Forschungsfrage, dass die entwickelten Nudges nicht ausreichen, um die großen Nachhaltigkeitsprobleme eines Flughafens zu bearbeiten. Lärm, CO2-Emissionen sowie Strom und Hitze können mit den Nudges, wenn überhaupt, nur zu einem kleinen Teil verändert werden. Dennoch wurde hierzu ein Nudge entwickelt. Im Hinblick auf diese Problematiken müssen größere Änderungen vorgenommen werden, die kostenintensiver sind und auch eine Veränderung der Infrastruktur bedingen. Die zweite Forschungsfrage wird daher wie folgt beantwortet: Die Sustainable Development Goals können mithilfe von Nudging die Nachhaltigkeit am Flughafen steigern, bieten jedoch keine Lösung für die großen Umweltprobleme. Wie es in den Interviews formuliert wurde: Sie haben keinen Einfluss auf die wirkungsstarken Hebel eines Flughafens. Jedoch können die anhand der SDGs entwickelten Nudges vor allem im sozialen Bereich eine Veränderung bewirken, da sie vermehrt auf die Regionalität setzen. Dies ist gerade bei einem Unternehmen wie einem Flughafen von Bedeutung, da dieses vor allem auf die regionalen Stakeholder angewiesen ist.

Bezugnehmend auf die dritte und letzte Forschungsfrage kann auch diese positiv beantwortet werden. Die Nudges sind mit den Grundpfeilern des CSR-Management-Ansatzes in Verbindung zu bringen. Jedoch ist festzuhalten, dass während des Anfangsstadiums des Nudge-Einsatz auch auf philanthropische Maßnahmen zurückgegriffen werden muss, um Ineffizienzen abzufedern und dadurch dennoch die Nachhaltigkeit zu steigern, die im Vordergrund steht.

Um diese Arbeit abzurunden, sollte weiterführende Forschung betrieben werden. So sollten, wie bereits erwähnt, in anknüpfenden Arbeiten die Themen des Exkurses in ein weiteres umfassenderes Konzept für die restlichen Flughafenbereiche eingearbeitet werden. Darüber hinaus müssen die erarbeiteten Maßnahmen in der Praxis, am besten mit Experimenten vor Ort, untersucht werden, um zu erforschen, ob die Nudges tatsächlich die Nachhaltigkeit steigern und dadurch die definierten Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können.

So bleibt abschließend zu sagen, dass die Nachhaltigkeit am Flughafen vor allem im sozialen Bereich, also Nachhaltigkeit in Bezug auf die regionalen Stakeholder, mithilfe der Nudges und der SDGs gesteigert werden kann, während Umweltprobleme nur zu einem kleinen Teil angegangen werden können. Daher profitieren vor allem die regionalen Stakeholder von der gesteigerten Nachhaltigkeit, die in den Nudges auf Basis lokaler oder regionaler Produkte einbezogen werden. Nichtsdestotrotz können diese Maßnahmen zumindest im kleinen Rahmen die Nachhaltigkeit verbessern und vor allem das Verhalten der Passagiere im Hinblick auf ein gesünderes und nachhaltigeres Leben beeinflussen. Weiterführend kann ein positiver betriebswirtschaftlicher Einfluss auf das Unternehmen aufgezeigt werden, ohne dass infrastrukturelle Umbauten hohe Kosten verursachen. So können die Ergebnisse dieser Arbeit zu einer effizienten Steigerung der Nachhaltigkeit führen, die mit betriebswirtschaftlichen Vorteilen einhergeht.

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