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18/12/2020

Die Wirtschaft denkt um – Nachhaltigkeit in der unternehmerischen Praxis

Christophe Funk

Die Wirtschaft denkt um – Nachhaltigkeit in der unternehmerischen Praxis

In der klassischen Wirtschaft gab es lange ein Trade-Off Denken zwischen Nachhaltigkeit und Profit. Doch dieses Paradigma ist aktuell im Wandel. So kann gegenwärtig eine selten dagewesene Dynamik in den Unternehmen erlebt werden. Es zeigt sich, dass das als jahrelang unantastbare Streben nach reiner Profitmaximierung ein Ende hat. Themen wie das Artensterben oder der Klimawandel werden vermehrt auch als wirtschaftliche Herausforderungen gesehen. Darüber hinaus verstehen sich Unternehmen auch vermehrt als Teil der Gesellschaft und sehen in dieser Rolle die Möglichkeit einen positiven Impact zu generieren.

Gleichzeitig umzudenken und ebenfalls eine unternehmerische Chance in diesem Wandel zu sehen, stellt eine große Herausforderung dar. Dies ist jedoch die Basis nachhaltiger Geschäftsmodelle– die Überwindung des Gegensatzdenkens von Profit und Nachhaltigkeit.

Ein wichtiger Aspekt ist die Verbindung von sozialen und oder ökologischen sowie ökonomischen Effekten. So werden nachhaltige Unternehmen, die ökonomisch nicht erfolgreich sind, sich auch nicht am Markt halten können. Genauso zeigt sich auch vermehrt, dass Unternehmen ohne sozial/ökologische Wirkung, ökonomisch immer weniger erfolgreich sind. Diese sozial/ökologische Wirkung kann dadurch entstehen, dass negatives vermieden und/oder positive Werte geschaffen werden.

Die positiven wirtschaftlichen Effekte solcher nachhaltigen Firmen werden inzwischen auch durch internationale Studien festgehalten. So zeigte sich, dass sich gesteigerte Nachhaltigkeit positiv auf die betriebswirtschaftliche Zukunft auswirkt und Wettbewerbsvorteile gesichert werden können. Diese Vorteile zeigen sich vor allem in der Mitarbeiterzufriedenheit, der Reduzierung von Unternehmensrisiken, Umsatzsteigerungen, einer erhöhten Kundenloyalität als auch der Stärkung der Arbeitgebermarke.

,Spenden allein ist kein nachhaltiges Management‘

Grundsätzlich ist die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in ein Unternehmen keine neue Erscheinung. Jedoch gilt es zu bedenken, dass der damalige Vormarsch von Corporate Social Responsibility (CSR) vermehrt reaktiv und auf Reputationsschutz ausgerichtet war. Die aktuelle Bewegung zielt hingegen auf einen integrierten und proaktiven Ansatz ab. So werden die Veränderungen im Gesamtsystem angepasst und auch Geschäftsmodelle und Strategien von Grund auf neu gedacht.

Wichtig ist es, eine Trennung zwischen nachhaltigem Management und Greenwashing sowie Philanthropie zu machen. Um diese Separation zu veranschaulichen wird von einem Business Case sowie einem Social Case gesprochen. Bei ersterem handelt es sich um ein wirtschaftliches Szenario, das auf eine positive Rentabilität ausgelegt ist. Hinter einem Social Case steht der soziale und oder ökologischer Impact einer Unternehmung. Beim Greenwashing hingegen gibt ein Unternehmen vor nachhaltig zu sein, ist es aber nicht. So wird versucht mithilfe von Marketing und PR ein ‚grünes‘ Image aufzubauen, das wirtschaftlichen Erfolg bringen soll, es fehlt aber der eigentliche Social Case. Bei Philanthropie hingegen fehlt der Business Case. Im Mittelpunkt steht eine sozial/ökologische Herausforderung, die bewältigt werden soll, ohne mit dessen Lösung betriebswirtschaftlichen Erfolg zu haben.

Nachhaltiges Management baut darauf auf, einen Business mit einem Social Case zu verbinden. So soll das Lösen einer gesellschaftlichen Herausforderung betriebswirtschaftlichen Erfolg mit sich bringen. Ein prominentes Beispiel unter vielen ist die Suchmaschine ‚Ecosia‘. Der Gründer dieses Unternehmens wollte einen positiven Beitrag zur Gesellschaft beitragen. Dieser positive Impact sollte durch das Pflanzen von Bäumen generiert werden. So wird für jede 45te Suchanfrage ein Baum gepflanzt. Umsatz generiert das Unternehmen, wie seine Konkurrenten auch, ganz klassisch durch Werbung und Platzierungen innerhalb der Suchergebnisse. Mit dieser Geschäftsidee wurden in den letzten 10 Jahren mehr als 100 Millionen Bäume gepflanzt, 70 Mitarbeiter eingestellt, etliche Preise gewonnen und 2019 ein Jahresumsatz von 19 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Agenda 2030 als politischer Ausgangspunkt

Ein wichtiger Schritt hin zu diesem Wandel des Managementparadigmas war 2015 der Klimagipfel in New York. Vertreten waren hier alle Mitgliedsstaaten der vereinten Nationen. Während dieses Treffens wurde die ‚Agenda 2030‘ verabschiedet. Diese Agenda dient der weltweiten Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene. Kernstück dieser Agenda bilden die 17 Zielsetzungen für nachhaltige Entwicklung oder auch Sustainable Development Goals (SDGs). Darüber hinaus wurden insgesamt fünf Kernbotschaften entwickelt, die diesen 17 Zielen vorangestellt sind. So soll 1) Die Würde des Menschen im Mittelpunkt stehen, 2) der Planet geschützt, 3) der Wohlstand aller gefördert, 4) der Frieden gefördert und 5) globale Partnerschaften aufgebaut werden.

Abbildung 1: Sustainable Development Goals (SDGs) ©United Nations

 

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