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praxisbeispiel 6-augen-gespräche
07/04/2019

Ein 6 Augen Gespräch mit Henkel-CFO Carsten Knobel

Prof. René Schmidpeter
Patrick Bungard

Originalquelle: https://www.faz-institut.de/wp-content/uploads/sites/2/2019/08/16-LOW-WEB-SCHMIDPETER-GESCHUETZT-V-03-2019.pdf

„Ich sehe drei interessante Entwicklungen“

Nachhaltigkeit und Profit schließen sich nicht aus – stellvertretend für dieses neue Paradigma steht Carsten Knobel, CFO von Henkel und Pionier in der Umsetzung nachhaltiger Finanzprodukte. Mit ihm sprachen Verantwortung-Beirat Prof. Dr. René Schmidpeter und Patrick Bungard, Experte für nachhaltige Unternehmenstransformation.

Patrick Bungard: Herr Knobel, immer mehr Unternehmen leiten eine nachhaltige Unternehmenstransformation ein. Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit bei Ihnen im Unternehmen?

Carsten Knobel: Das Thema Nachhaltigkeit spielt für Henkel traditionell eine zentrale Rolle. Die Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg, dem Schutz der Umwelt und gesellschaftlicher Verantwortung ist als Ziel schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Wir sehen es als Teil der DNA unseres Unternehmens. Nachhaltigkeit ist auch fest in unseren Unternehmenswerten verankert. Die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit hat sich bei Henkel kontinuierlich entwickelt. Damit haben wir uns eine führende Position in unserer Industrie erarbeitet.

René Schmidpeter: Das Verhältnis zwischen Nachhaltigkeit und Profitmaximierung wurde lange Zeit als „Trade-off“ beziehungsweise Gegensatz verstanden. Diese Wahrnehmung scheint in der Unternehmenspraxis zunehmend überwunden zu werden. Immer mehr Manager sehen diese beiden Pole als einander bedingend beziehungsweise als sich gegenseitig stärkend. Was tun Sie in Ihrem Unternehmen, um dieses Trade-off-Denken zu überwinden?

Knobel: Für uns stand Nachhaltigkeit immer schon für Zukunftsfähigkeit und das frühzeitige Aufgreifen gesellschaftlicher Entwicklungen und der Erwartungen unserer Stakeholder. Nachhaltiges Wirtschaften fördert unser Wachstum, trägt dazu bei, unsere Kosteneffizienz zu steigern und verringert Risiken für unser Unternehmen. Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen anwachsen. Gleichzeitig führt die weltweit zunehmende Wirtschaftsleistung zu steigendem Konsum und Ressourcenbedarf. Daher brauchen wir Innovationen, Produkte und Technologien, die mehr Lebensqualität bei gleichzeitig geringerem Material- und Rohstoffverbrauch ermöglichen. Mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung im nachhaltigen Wirtschaften wollen wir die dafür notwendigen zukunftsfähigen Lösungsansätze entwickeln und umsetzen.

Bungard: Der CEO von Blackrock, Larry Fink, hat kürzlich die These aufgestellt, dass „innerhalb der nächsten fünf Jahre alle Investoren die Auswirkungen eines Unternehmens auf Gesellschaft, Regierung und Umwelt heranziehen werden, um den Unternehmenswert zu bestimmen“. Was sind Ihre Gedanken zu dieser Einschätzung und wie beurteilen Sie den Stellenwert der Nachhaltigkeit bei der Bewertung von Unternehmen?

Knobel: Es steht außer Frage, dass das Thema Nachhaltigkeit für Finanzmärkte, Kapitalgeber und Investoren immer wichtiger wird. Die Berichterstattung über Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility stellt für uns schon heute einen bedeuten- den Teil unserer Kapitalmarktkommunikation dar. Ich gehe fest davon aus, dass dies künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird. Gleichzeitig ist es eine spannende Frage, in welchem Maße die Investoren diese Fragen ernsthaft in ihre Entscheidung integrieren, weil sie hier einen höheren Return erwarten oder versuchen, externen Erwartungen gerecht zu werden. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass die Informationsanforderungen an uns weiter zunehmen werden. Die Vielfalt der Ansätze zur Bewertung von Unternehmen und die unterschiedlichen Investmentstrategien, die wir heute schon am Markt sehen, werden sich in den nächsten Jahren sicherlich noch weiterentwickeln und differenzieren.

Bungard: Als erstes deutsches Unternehmen hat Henkel einen syndizierten grünen Kredit abgeschlossen. Je besser das Nachhaltigkeitsrating von Henkel ist, desto günstiger werden die Konditionen der 1,5Milliarden Euro schweren Kreditlinie. Was sind die Hintergründe, und vor allem, was ist Ihre grundlegende Motivation hinter diesem innovativen Ansatz?

Knobel: Im Grunde genommen sind es zwei Hauptgründe, die für uns ausschlaggebend waren. Zum einen wollten wir aus Effizienzgründen unsere laufenden zwei revolvierenden Kreditfazilitäten in Höhe von 800 und 700 Millionen Euro in einer neuen Fazilität zusammenzuführen und uns dabei die guten Marktkonditionen sichern. Gleichzeitig wollten wir aber auch innovative Wege bei der Finanzierung gehen, die unsere Verpflichtung zur Nachhaltigkeit untermauern. Wir haben den Gedanken dann mit den Banken besprochen und mit ihnen diskutiert, wie wir die Idee eines „Green Loans“ mit einer klassischen syndizierten Kreditlinie verbinden können. Auch bei den Geldhäusern war das Interesse groß, da das Thema Nachhaltigkeit bei den Finanzinstituten immer wichtiger wird. Vom Prozess her haben wir dann die rein finanziellen und die grünen Aspekte getrennt betrachtet. Wir haben also die Konditionen ganz klassisch über Verhandlungen auf Basis der aktuellen Marktkonditionen für Unternehmen unserer Rating-Kategorie festgelegt. Neu ist das Upside- und Downside-Potential durch die Nachhaltigkeitskriterien. Uns kam sicherlich zugute, dass wir hierbei auf unserer langjährigen guten Performance beim Thema Nachhaltigkeit aufbauen konnten. Gleichzeitig ist die Vereinbarung für uns ein weiterer Ansporn, hier unsere führende Position zu halten oder uns sogar noch zu verbessern.

Schmidpeter: Welche konkreten Kennzahlen liegen der Bewertung der Nachhaltigkeit zugrunde?

Knobel: Wir haben uns für einen ganzheitlichen Ansatz entschieden. Es ging uns nicht darum, einzelne Kennzahlen zur Bewertung heranzuziehen. Aus unserer Sicht sagt es wenig über die Nachhaltigkeit aus, wie viel Energie oder Wasser ein einzelner Standort verbraucht. Wir arbeiten stattdessen mit auf Nachhaltigkeitsratings spezialisierten Agenturen zusammen, die uns bewerten. Diese Agenturen betrachten Themen wie die Lieferantenbewertung, wie Nachhaltigkeit in die Entwicklung von Produkten bei Henkel integriert ist oder wie wir unsere Ressourceneffizienz bei der Herstellung verbessern. Die Agenturen haben einen ganzheitlichen Ansatz und verändern ihre Kriterien regelmäßig. Aus dieser Mischung ergibt sich dann aus unserer Sicht ein komplettes Bild.

Schmidpeter: Welche der aktuellen Trends im Bereich des Sustainable Finance halten Sie für besonders spannend?

Knobel: Ich sehe aktuell drei interessante Entwicklungen. Zum einen erfährt das Thema Nachhaltigkeit nicht nur bei der Bewertung von Aktien oder Anleihen eine stärkere Beachtung, zum anderen auch bei der Ausgestaltung von speziellen Finanzinstrumenten wie Green Bonds oder Green Loans. Und schließlich führen diese Entwicklungen in Verbindung mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimaschutz zu kontinuierlichen Innovationen bei den Bewertungsmethoden. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie die Auswirkungen eines Unternehmens auf Gesellschaft und Umwelt in die Ermittlung des Unternehmenswerts integriert werden können.

Bungard: Basierend auf Ihren Erfahrungen, und wenn Sie durch das „Nachhaltigkeitsfernglas“ einen Blick in die Zukunft wagen: Wie werden sich die Anforderungen und Tätigkeitten von CFOs in den kommenden Jahren entwickeln?

Knobel: In den dynamischen Märkten, in denen wir uns bewegen, unterliegen auch die Anforderungen und Tätigkeiten der CFOs einer kontinuierlichen Veränderung. Dabei spielt Nachhaltigkeit in den verschiedensten Bereichen, die in meiner Verantwortung liegen, eine zunehmend wichtige Rolle. Das betrifft auf der einen Seite die klassischen Finanzaufgaben wie Investor Relations, Treasury, Controlling, Accounting oder das Risk Management, ebenso wie die Bereiche Einkauf oder IT. Daher ist es mir wichtig, das Thema breit in meiner Organisation zu verankern. Letztendlich bedeutet das für den Finanzvorstand, durch das aktive Aufgreifen relevanter Nachhaltigkeitsthemen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit und zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beizutragen.

 

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